Glossar - Was heißt was?

Glossar zu einigen Fachbegriffen (mit Literaturangaben)

 

Fischbestand

Viele Fischarten gliedern sich in den Weltozeanen in Populationen auf, die Bestände heißen, wenn sie befischt werden. Bestände haben oft jeweils ihre eigenen Laichgebiete oder -zeiten und vermischen sich nicht mit anderen Beständen. Daher muss ein gutes Fischereimanagement immer als Ziel haben, die Bestände schützen und nicht nur die Arten insgesamt. Dies bedeutet auch, dass einige Bestände einer Art in gutem andere aber in schlechtem Zustand sein können.

 

Guter Ökologischer Zustand (Good Environmental Status = GES)

Nach der Meeresstrategie-Richtlinie der Europäischen Union (MSFD - Marine Strategy Framework Directive) ist ein Bestand dann in gutem ökologischen Zustand, wenn

  1. die Bestandsgröße dem Maximalen Nachhaltigen Ertrag entspricht.
  2. der Fischereidruck (als Sterblichkeit der Fische durch die Fischerei) auf ein nachhaltiges Maß begrenzt ist.
  3. Es gibt kleine und große Fische, die Altersstruktur ist als "gesund" und besteht aus vielen Jahrgängen


Von diesen Kriterien wird 3 oft wegen fehlender Daten nicht ermittelt. Bleiben Bedingung 1 und 2, von diesen erfüllen dies nach einer neusten Untersuchung nur 19 von 96 Beständen BEIDE Kriterien (Referenz Fernandes 2017).

 

Maximaler nachhaltiger Ertrag (Maximal Sustainable Yield = MSY)

Der maximale nachhaltige Ertrag ist ein anerkanntes Konzept des Fischereimanagements, erstmals niedergelegt im Internationalen Seerechtsübereinkommen von 1982. Es ermittelt den Grenzwert an, ab der eine Nutzung nicht mehr nachhaltig ist. Ziel ist es, den Fangertrag (also die Menge an Fischen, die man fangen kann) so groß wie möglich zu halten, ohne die Bestände zu gefährden.

Der MSY-Wert errechnet sich aus der Bestandsgröße und der Sterblichkeit durch die Fischerei. Wenn die fischereiliche Sterblichkeit innerhalb sicherer biologischer Grenzen ist, bedeutet dies, dass das Nachwachsen der Bestände nicht gefährdet ist. Dazu muss der Bestand eine bestimmt Mindestgröße haben, was auch wirtschaftlich sinnvoll ist, um die Menge der zu fangenden Fische möglichst groß zu halten. Die wirtschaftlich optimale Bewirtschaftung erzielt man, wenn man die Bestände 20% größer lässt als die kritische MSY-Bestandsgröße, weil es dann mehr Fische gibt, die sich leichter (=billiger) fangen lassen.

Die Gemeinsame Fischereipolitik der EU hat seit 2013 auf das Prinzip des MSY geeinigt, und alle Staaten haben sich verpflichtet, dieses Ziel für alle Bestände bis 2020 zu erreichen. Leider wird dieses Ziel vermutlich verfehlt werden (siehe Quelle Froese & Proelß Fish & Fisheries 2010).

 

Rote Liste

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN (http://www.iucnredlist.org/) gibt eine Liste für alle Tier- und Pflanzenarten, die weltweit vom Aussterben bedroht sind heraus. Die sieben verschieden Kategorien werden von einem internationalen Expertenteam für alle Artengruppen festgelegt. 

ausgestorben, es gibt auf der Welt kein lebendes Individuum mehr
in der Natur ausgestorben, es gibt lediglich Individuen in Kultur, in Gefangenschaft oder in eingebürgerten Populationen außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes
regional ausgestorben, in nationalen und regionalen Roten Listen die Entsprechung von „in der Natur ausgestorben"
vom Aussterben bedroht, extrem hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft
stark gefährdet, sehr hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft VU gefährdet, hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft
potenziell gefährdet, die Beurteilung führte nicht zur Einstufung in die Kategorien vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder verletzlich, die Schwellenwerte wurden jedoch nur knapp unterschritten oder werden wahrscheinlich in naher Zukunft überschritten
nicht gefährdet, die Beurteilung führte nicht zur Einstufung in die Kategorien vom Aussterben bedroht, stark gefährdet, verletzlich oder potenziell gefährdet
ungenügende Datengrundlage, die vorhandenen Informationen reichen nicht für eine Beurteilung des Aussterberisikos aus
nicht beurteilt, die Art existiert, es wurde jedoch keine Beurteilung durchgeführt, zum Beispiel bei invasiven Arten

 

Die meisten Länder haben darüber hinaus auch noch eigenen Roten Listen für ihre Regionen. Man findet aber auch immer wieder Arten, die noch nicht beurteilt wurden oder für welche zu wenige Daten vorliegen.

 

Überfischung

Wir gehen augenblicklich davon aus, dass etwa 2 von 3 Fischbeständen auf der Welt überfischt sind.

Allerdings ist sehr schwer, dies für so ein großen Gebiet mit so vielen verschiedenen Ländern zu bestimmen. Zum Beispiel gibt es für die meisten befischte Bestände keine ausreichend guten Daten. Sowohl für die Bestände mit einer guten Datenlage (Worm et al. Science 2009), als auch jene Fischbestände, für die wenige bis keine Daten vorliegen (Quelle Costello et al 2012 Science) wurde aber in etwa dieser Überfischungsgrad gefunden. Eine ganz neue Veröffentlichung findet sogar, dass 77% der Bestände entweder zu klein sind, oder zu stark befischt werden (Quelle Costello et al. 2016).

Nach dem ehrgeizigen Standard der Europäischen Union sind in den Gewässern ihrer Mitgliedsstaaten sogar noch mehr Bestände nicht in einem guten ökologischen Zustand (GES) und können damit als überfischt gelten (Quelle Fernandes et al 2017 Nature Ecology & Evolution), wobei sich gerade erfreulicherweise etliche Bestände erholen. Wenn wir die sich erholenden Bestände und die in bereits gutem Zustand zusammenzählen, dann sind dies 30% - also 1 von 3 Beständen.

Trotz ist der globale Zustand der Fischerei weiterhin nicht gut. Sorge machen vor allem die neuesten Trends, die mehr und mehr Bestände in einer überfischten oder sogar gefährdeten Lage zeigen (Quelle Kleisner et al. 2013 Fish Fisheries). Jährlich nimmt der Ertrag aus Wildfängen seit 1990 um etwa 1% ab und dabei haben auch nicht-gemeldete und illegale Fänge und Beifang einen großen Anteil (Quelle Zeller und Pauly Nature Comm 2016).

Die Welternährungsorganisation FAO gibt an, dass nur etwa 30% (also 1 von 3) der Fischbestände überfischt sind. Dies liegt daran, dass die FAO-Einschätzung auf einer relativ kleinen Zahl gut untersuchter Bestände beruht. Ausserdem entsprechenden die Kriterien der FAO nicht den strengeren Maßstäben des guten Zustandes (GES) der EU.

 

Referenzen

Costello et al. Science 2012
http://science.sciencemag.org/content/338/6106/517

Costello et al. 2016
http://www.pnas.org/content/113/18/5125.short

Fernandes et al. 2017
https://www.nature.com/articles/s41559-017-0170

Froese & Proelß 2010
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-2979.2009.00349.x/full

Kleisner et al. 2013
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-2979.2012.00469.x/full

Worm et al. 2009
http://science.sciencemag.org/content/325/5940/578

Pauly & Zeller 2016
https://www.nature.com/articles/ncomms10244